Stigmatisierung durch Psychopharmaka?

Im Titel steht ein Fragezeichen. Vorneweg: Es sind Medikamente wie andere auch.

Die Rolle der Psychopharmaka in unserer Gesellschaft

 

Die Motivation dieses Textes beruht auf eine im Facebook kursierendes Bild mit dem Spruch „20% alle Frauen nehmen Psychopharmaka. Stellen Sie sich das mal vor: 80% laufen unbehandelt rum“

Nun….das kann man amüsant finden oder sich angegriffen fühlen, je nach Gender-Identifikationsstärke. (Feministinnen finden das gar nicht lustig).

Es gibt vielerlei Prozesse in unserem Körper die eine Störung haben können. Es gibt Organe deren (Stoffwechel) Prozesse nicht so funktionieren wie sie sollten…….Nieren, Leber, Pankreas, Herz, Magen-Darm…..dafür nehmen sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft Medikamente. Wenn es unser Gehirn betrifft dann betreten wir oftmals noch eine Tabuzone. Wobei man sagen muss dass der Umgang und die Akzeptanz damit sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbessert hat.

Und hier ist die Frage insbesondere beim Gehirn: Wer bestimmt denn ein Soll bei unserem Gehirn?

Durch Störungen haben Musiker, Künstler allgemein, Philosophen und Wissenschaftler erstaunliches zu Tage gebracht: Mit Hilfe von sog. Manien.

Damals wurden Manien noch nicht behandelt, so konnten Menschen die Kreativität und Ihre Hirnleistung voll ausschöpfen. Man erkannte aber den Nachteil solcher manischen Phasen…Es zerstört einen selber. Da das Wohl des Einzelnen in unserer Gesellschaft moralisch verankert ist, gilt es diesen zu schützen. Auch wenn dieser durch Entdeckungen wie bspw Nikolaj Tesla der ganzen Gesellschaft helfen und voran bringen würden…es gilt Manien zu unterdrücken da auch Suizid am ehesten in der manischen Phase durchgeführt werden.

Psyche Leiden sind aber nicht nur Depression und Manien. Es gibt mannigfaltige Definitionen welche im ICD10 stehen. Für vieles gibt es jedoch keine „Pille“ dagegen. Hier wurden Therapien wie bspw Gesprächstherapien entwickelt. Diese sind zeitaufwendig, denn einen Cholesterinsenker oder „Blutverdünner“ kann man während der Arbeitszeit einnehmen.

Wenn jmd zu seinem Chef sagt „Ich muss meine Medizin nehmen, ich bin mal für gut 1-1,5 Std weg zu Gesprächstherapie“ dann schwingen Konsequenzen mit. Die Einnahme von Pillen kann man so gestalten, dass es niemand mitbekommt. Eine psychische Behandlung tendenziell nicht.

Wenn jeder so denken würde, dass das Gehirn ein Organ ist welches genauso Funktionsstörungen haben kann wie bspw die Nieren oder unser Herz; der eine nimmt Macumar, der andere braucht Serotoninaufnahmehemmer (bekannt die Gruppe Citalopram), andere wiederum Lithium oder Antiepileptika. Das eine ist nicht schlimmer als das andere.

Menschen sollte man nicht nach deren „Krankheiten“ oder deren Einnahme von Medikamenten be- und verurteilen. Denn Werte und Morale und das Sozialverhalten sind ausschlaggebend: Viele die keine Diagnose laut ICD10 haben und ergo auch keine Behandlungen machen bzw Medizin nehmen, bereiten ihrem Umfeld (Lebensweltorientierung nach Thiersch, inkludiert Familie, Freunde, Partner, Arbeitswelt, Kollegen) Probleme durch ihre Denk- und Verhaltensmuster. Denn dies ist nämlich ganz unabhängig ob jemand „offiziell“ eine psychische Dysfunktion hat.

Menschen die lügen, sich selbst und andere betrügen ,oder aggressiv, lethargisch, faul, hypochondrisch, dissozial usw sind, müssen nicht zwangsläufig ein psychisches Leiden haben.

Es gibt Diagnosen wie Narzismus, Asperger, Dissoziales Verhalten, Schizophrenie bzw Mischdiagnosen aus dem schizoaffektiven Formenkreis (u.a.) die Auswirkungen auf das Sozialverhalten haben, aber nicht jedes Arschloch ist gleich ein Narzist.

Fazit:

Die Einnahme von Psychopharmaka sagt lediglich aus, dass man die Hirnchemie ändert um weniger Symptome, die meistens Leid für einen selber oder anderen bedeuten, zu haben. Es sagt nichts aus über den Charakter eines Menschen.