Die Erziehung- was aus dem Ruder gelaufen ist

Das Thema Erziehung ist ein Kosmos. Berufsgruppen beschäftigen sich seit vielen Jahrzehnten damit.Durch gesellschaftliche Veränderungen sind unzählige Variablen entstanden und was gestern gut war ist heute schlecht.

Zahlreiche Bücher, Vorträge von Experten wie Pädagogen, Lehrer, Kinderpsychologen, Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Freunde und Bekannte……unterscheiden sich in Erfahrungen und Meinungen.

Zahlreiche Tipps werden da einem gegeben, in Büchern liest man in die Tiefe gehende Ansätze….und ich schließe nach vielen Büchern, Berichten, Tipps, Kritik und eigenen Erfahrungen ein Fazit:

Theorie und Praxis.

Klingt plump, ist aber so.

Es gibt kein Unisono, denn jeder Mensch hat ein Hirn welches sich unterschiedlich programmiert.

Hier werden Begriffe wie Resilienz und Vulneabilität genannt. Was wieviel Genetik und Erziehung ist, darüber philosophieren Experten. Meiner Meinung nach ist die Art und Weise der Informationsverwertung zum größeren Teil genetisch bedingt. Ich bediene mich da einem Beispiel aus meinem näheren Umfeld: zwei  Brüder wachsen in einem Haushalt auf in der Gewalt und Kriminalität Tagesordnung ist. Der Eine Bruder wird im Verlauf selber zu einem Kriminellen der auch Gewaltanwendungen als Mittel zum Zweck sieht, der andere wird Polizist und Yogalehrer.

Aus diesem simplen Beispiel ist schon erkennbar dass unterschiedliche Impulse zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Der eine braucht Lob um sich zu motivieren, der andere braucht Niederlagen.

Im Fitnessstudio habe ich damals als Trainer die Erfahrung gemacht, dass ich die Männer mehr damit motivieren konnte indem ich bspw gesagt habe „du hast bisserl zugenommen, und Muskeln abgebaut, mach mal wieder was!“. Zu einer Frau habe ich so etwas nie gesagt. Nicht nur aus Gründen der Nettiquette, sondern weil ich bereits wusste dass verschiedene Klientel verschiedene  Ansprachen benötigten.

Unser heutiges Klientel über das ich schreibe sind Kinder. Auch hier findet eine Art „Verkauf“ statt, also eine Manipulation (Josef Kirschner-„Mainpulieren, aber richtig“). Nur nennen wir das „Erziehung“. Wir verkaufen unsere Interessen unseren Kindern. Und machen dabei viele Fehler…..

Ich paraphrisiere im folgenden Text u.a. den Kinderpsychologen Dr. med Michael Winterhoff, den Hirnforscher und Neurobiologe Gerald E. Hüther, den Psychologen und Sozialpädagoge Robert Betz….und meine Eltern. Ein besonderer Dank gilt auch an Anja von Both, Oberstufenlehrerin.

Um ein zu leiten muss ich kurz meine Tätigkeiten im sozialen Bereich erläutern, den ich in 2019 wieder verlassen habe. Als Migrationshelfer in einer Erstaufnahmeeinrichtung mit medizinischen Schwerpunkt landete ich als Leitung für eine sog. MAT Maßnahme und  coachte ein niederschwelliges Klientel, welches erhebliche Vermittlungshemmnisse für den 1. Arbeitsmarkt hatte. Auf deutsch: 17-23 Jährige Hartzer mit recht aussichtslosen Perspektiven. Die Erfolgsquote war sehr gering, und wenn sich mal jemand „in Arbeit verirrte“ (so hat mein Auftraggeber es sarkastisch selber ausgedrückt), so schmiss diese Person nach wenigen Wochen den (Hilfs-)Job wieder hin. Der Auftraggeber war das Jobcenter. Die Aufgabe meinerseits war baldigst klar: die Jobcenter für 6 Monate Verwaltung zu entlasten, aber ohne dass die Fälle aus deren Aktenschränken verschwinden. „Verwaltung“ schafft in Deutschland viele Jobs in der Mittelschicht, ist also durchaus auch Strategie. Über Verhätnismäßigkeit, Sinn und Unsinn solcher „Deals“ letztendlich mit unseren Steuergeldern müssen andere debattieren. Nach diesem Job hatte ich nochmal das Vergnügen  als Coach und Betreuer in einer „Bootcamp“ ähnlicher Einrichtung für schwer erziehbare und auch straffällig gewordene Jugendliche zw. 12-18 Jahren zu arbeiten. Hier wurden zwar nicht alle Auflagen erfüllt, aber Jugendamt und auch die Richter drückten alle Hühneraugen zu, denn man ist dann irgendwie doch froh das Klientel irgendwo irgendwie „unter“ zu bekommen.  In solchen Bootcamps werden neue Konditionierungen mit teils körperlicher Konsequenz der „Respekttrainer“ an den Jugendlichen durchgesetzt und gebildet.

Nach ein paar Jahren und ein Semester soziale Arbeit an der Hochschule Alice Salomon verließ ich den sozialen Bereich wieder. Diese Hintergrundinfos über meine Person sind wichtig für den nachfolgenden Text.

Ich möchte hier 4 Grundthemen ansprechen:

  • Ernährung
  • Bewegung
  • Medienkonsum
  • Erziehung

Über jedes Einzelne Thema gibt es zahlreiche Bücher, mit hunderten von Seiten. Ich versuche diese vier Themen soweit herunter zu brechen dass man es in gut 15-20 Minuten gelesen hat.

Die Ernährung

Das Thema ADHS wird kontrovers diskutiert, wobei die Tendenz landläufig Richtung „ADHS gibt es nicht“ bzw „ADHS sind Symptome die mit Ernährungsumstellung in den Griff zu bekommen sind“ geht. Nach meinen Erfahrungen ist beides richtig und falsch. In der Tat gibt es mehr „Zappelphillipe (auch weiblich) als früher. Nun schaut man sich die Unterschiede an was früher anders war….und schon hat man die Ursache. Das ist nicht ganz einfach aber auch nicht unrichtig, denn durchaus kann man mit Ausschlussdiagnostik vieles an das Tageslicht bringen. Thema Ernährung nimmt einen großen Teil ein. Ernährung mag für einige banal klingen, scheint aber für die Masse der Gesellschaft ein großes Problem dar zu stellen. Vielen Eltern ist gar nicht bewusst was wo wie viel drin ist, und was es bewirkt. Erst Recht was es auf Langzeit bewirkt, denn wenn Veränderungen nur langsam genug stattfinden ist das für viele dann schon unsichtbar. Viele Erwachsene leben so, dass sie lieber langsam sterben als Veränderungen die schwer zu vollziehen sind in Angriff zu nehmen. Es muss nur langsam genug gehen. Anders erklären sich 20 Zigaretten, Bewegungsmangel und 5.000 Kalorien (durch Zucker und gesättigte Fettsäuren) täglich nicht.

Die Menge an Zucker die unsere Kinder in der heutigen Zeit zu sich nehmen, ist ein vielfaches mehr als zu damaliger Zeit (in meinem Fall die 80er und teils die 90er). Die Zuckermenge wird von den Eltern als normal angesehen, und verlassen sich auf die Industrie, die ja verantwortungsbewusst Kindernahrungsmittel herstellen. Das ist ein Irrglaube. Die Industrie richtet sich nach Kapitalismus, und hierzu werden zuckersüchtige Konsumenten benötigt. Bei Youtube kann man den Begriff Zucker wie Droge eingeben..es gibt genug Reportagen. Kurz: Zucker wirkt im Frontalkortex (Belohnungszentrum) an den Synapsen wo diverse Drogen auch andocken. Zwischen Kokain und Zucker ist nicht sehr viel Unterschied, zumindest was die Wege im Gehirn betrifft. .

Leider hilft auch Süßstoff nicht viel, denn es ändert nichts an der Tatsache dass die Kids auf die Geschmacksrichtung „süß“ konditioniert werden. Dass Kinder süß mögen ist auch der Evolution geschuldet und eine sehr wichtige Schutzfunktion. Süß bedeutet in der Natur auch „genießbar“, während Giftpflanzen zumeist bitter sind. Die Industrie nutzt das schamlos aus.

Neben dem Zucker haben wir noch eine ganze Menge anderer Stoffe die neurologisch wirken. Diverse Süßstoffe wie Aspartam (wird immer noch verwendet) werden zahlreich im Netz in Verbindung mit Krebs benannt. Es mag jeder für sich entscheiden wenn er sich durch googlet ob er dem Glauben schenken möchte oder nicht….

Phosphate und vor allem Glutamate……sind Inhaltstsoffe die auf unser Nervensystem wirken. Glutamat ist ein Neurotransmitterstoff die der Körper selber herstellt. Dieser wird benötigt um die Reizweiterleitung zwischen den Axonen zu gewährleisten. Nun kippen wir uns, bzw unseren Kindern diesen Stoff, der mittlerweile auch „Hefeextrakt“ o.ä. heißt in fast allen industriell verarbeiteter Nahrung rein. Es darf einen nicht verwundern dass bei der heutigen Konsummenge an Zucker und Glutamat das „Nervenkostüm unseres Körpers“ überreizt wird.

Dennoch…ADHS mit (totaler) Änderung der Ernährung „in den Griff“ zu bekommen ist nach meinen Erfahrungen mit unterschiedlichem Erfolg gekrönt. Das funktioniert nicht immer, selbst bei strikter „Diät“. Ein ADHS Kind kann seinem Umfeld wirklich sehr viel mentale Energie abverlangen. Ich kann nach all dem was ich gesehen habe eine Medikation nicht kategorisch ablehnen. Sie ist, so ernüchternd es nun klingt, manchmal eine gute und für alle Beteiligten, auch für das Kind selber, die beste Lösung.

Neben der Ernährung die ich hier nur leider  kurz angerissen habe, ist das zweite große Thema die „Bewegung“.

Die Bewegung

Was ist heute anders als früher?  Ich denke dass hier unisono jeder gleiche Antworten geben würde.

Die Frage stellt sich also wie wir Anreize schaffen dass sich Kinder wieder mehr bewegen. Zum einen lernen Kinder besser und auch überwiegend durch nachahmen. Aber sind wir Erwachsenen, insbesondere Eltern in Sachen Sport gute Vorbilder? Wer den Besuch ins Schwimmbad um sich mal ab zu kühlen ins Wasser begibt, ansonsten aber in der Sonne verweilt und dies als Sport (Schwimmsport) für sich definiert, braucht sich nicht wundern wenn Kinder keine 3 Bahnen am Stück schwimmen können. Auch die Radtour zur nächsten Eisdiele ist kein Radsport. Eltern fahren Ihre Kinder 5 km zum Fußballtraining, wo doch die Kinder mit ihrem Fahrrad dorthin fahren könnten.  Wir leben in einem Zeitalter wo die Menschen sich „Tracker“ ums Handgelenk schnallen die  die Schritte am Tage zählen. Somit wird das normale Gehen schon als sportliche Betätigung umdefiniert. Man nennt dies Dissonanz-Reduktion. Man erfindet Wege und Mechanismen um sich die Dinge schön zu reden. Sie werden um-interpretiert um sich dann besser fühlen zu können. Leider leben Erwachsene dies Ihren Kindern vor. Bewegung und Motorik ist vehement wichtig für die Entwicklung, da sie ein großer Bestandteil zum Outdoor-spielen sind. Wer schlecht darin ist, kann schlecht draußen „rumtoben“. Wer nicht rumtoben kann, kann sich nicht adäquat „abreagieren“. Gerade Kinder haben sehr viel überschüssige körperliche Energie. Sportvereine sterben in Deutschland aus, zu wenig frequentiert. Während die D und C Jugend im Fußball noch halbwegs durch den anfänglichen Enthusiasmus aufrecht erhalten wird, verliert sich dieser im Laufer zur B oder A Jugend. Was passiert hier mit den Kindern, die zu Jugendlichen und zu Erwachsenen heran reifen?  Neben den schlechten Vorbildern kommt hier die im Laufe derbn Zeit, beginnend im Grundschulalter eine dritte Komponente hinzu:

Der Medienkonsum.

Auch hier die Frage…was ist heute anders als damals..und schon hat man die Lösung?

Als in 1978 Geborener habe ich Ende der 80er Jahre in die 90er mit dem TV Sender Tele5  bereits täglich im Durchschnitt 2 Std TV gehabt. Nach der Schule gab es Zeichentrick, dann irgendwann mal Hausaufgaben…oder auch nicht. Am We begann der Samstagmorgen gegen 08:00 mit den Schlümpfen, Saber-Rider, Star Sheriffs, Racoons…es ging nachmittags weiter mit A-team, Airwolf, und dem sprechenden Auto K.I.T.T.

Auch traf ich mich mit meinen Freunden zum „zusammen gucken“. In den Anfängen der 90er zogen der C64 mit seinen Flachdisketten in die Kinderzimmer, ab Mitte der 90er dann Amiga 500, sowie Nintendo 64

Wir verbrachten schätzungsweise 10-15 Stunden die Woche mit Fernseh schauen, später teilte sich dies auf in vielleicht 8 Stunden Fernseher und 8 Stunden Computerspiele pro Woche im Durchschnitt.

Klingt viel, und damals wurde auch schon „Alarm“ geschlagen, dass die Entwicklung der Computerspiele als „Zeitfresser“ nicht gut für Kinder und Jugendliche sei. Aber…um in Kommunikation mit anderen zu treten haben wir uns getroffen und haben gespielt, abgehangen Sport gemacht. Mit Einzug der Handys in den späten 90er und der Möglichkeit überall und immer telefonieren zu können, begannen wir kurze Nachrichten zu schreiben. Internet etablierte sich erst um das Millenium, beschränkte sich aber auf Email und dem Computer. Das das Handy Internetzugang hatte kam erst ca 2006 beginnend, auch mit der Änderung des Displays (IPhone).

Schauen wir uns heute die Zeit mit dem Umgang Handy/Computer mal an. Um in Kommunikation zu treten müssen wir uns nicht mehr treffen. Wir telefonieren nicht mal mehr viel. Wir schreiben, posten Bilder, liken und nutzen Emojis. Wir „wischen“ mittlerweile über den ganzen Tag verteilt an unseren Displays. Wir agieren und reagieren „nebenher“ : neben unserer Arbeit, sogar wenn wir mit anderen Menschen im Café oder Restaurant sitzen. Wir sind „online“ über den ganzen Tag. Im Gegensatz zu den 10-15 Stunden pro Woche damals, nutzen wir Medien, allen voran das Smartphone gut real 20-25 Std Std die Woche. Wo früher noch zeitliche Ressource war um ein Instrument spielen zu erlernen, Sport zu treiben oder gar zu arbeiten, wird heute Zeit dafür verwendet über Social Nets zu kommunizieren.

Ein großes Problem sehe ich darin dass beim geschriebenen Wort die Tonalität fehlt. Die selektive Wahrnehmung ist hier viel stärker, denn Mimik, Gestik, Tonalität sind sehr aussagekräftige Größen die eine selektive Wahrnehmung beeinflussen. Das Kind bleibt also bei seiner Sicht der Dinge.

Wenn Kinder immer zunehmender mit dieser Art Kommunikation (Facebook und Co) groß werden, lernen sie weder Mimik, Gestik, Tonalität zu lesen oder an zu wenden. Beim Fernseher schauen muss das Kind nicht sprechen. Viele Kinder sind bereits  in der 3. Klasse und reden in einfachsten SPO Sätzen (Subjekt Prädikat Objekt), wo früher bereits Aufsätze geschrieben wurden. Sie können sich nicht adäquat ausdrücken, ihnen fehlen Wörter, Satzstellungen, können nicht umschreiben. Plump..sie können teils keine Fragen beantworten…weil sie nicht adäquat sprechen können. Beim Fernseher schauen findet kein Dialog statt, sondern zuschauen und zuhören. Hier findet kein direkter Austausch von Emotionen und Reaktionen statt, das Kind muss nicht Re-agieren (und zwar ad hoc), erfährt also auch keine Rückmeldung, bzw „das Gehirn“ erfährt keine Rückmeldung. Das Gehirn konditioniert sich durch den ständigen Abgleich, durch actio et reactio. Dieses fehlt beim Fernseher schauen.

Was ist die Folge? Kinder haben Schwierigkeiten auf Emotionen später richtig zu reagieren, welches zu Konflikten führt. Es hat nicht oder zu wenig Konsequenz auf sein Verhalten bzw auf Gesagtes erhalten. Der Fernseher gibt nämlich keine Rückmeldung. Ebenso wenig die Spielekonsole, das Handy nur bedingt…. aber hier fehlt wie genannt Tonalität, Gestik, Mimik was zu Verstärkung der selektiven Wahrnehmung führt in der man bleibt. Die Fähigkeit der Selbstkritik und auch der Annahme/Einsicht kann so schlecht gelernt werden. Die Folge ist die Unfähigkeit sich entschuldigen zu können.

Die Erziehung.

Aus den drei genannten Punkten ergibt sich nun die notwendige Erziehung. Wir haben jetzt im Schnelldurchlauf das Fehl  und die Fehler definiert, und somit ergibt sich die notwendige Kompensation. Jetzt sagen Sie mal Eltern die rund 40 Kilo Übergewicht haben, dass ihr Kind mehr Bewegung benötigt. Die Eltern werden das nicht hinbekommen. Sagen Sie einer alleinerziehenden Mutter die mit sich und ihrem Leben im Unfrieden ist, sich mit Dissonanz-Reduktion mental „über Wasser“ hält, dass ihr Kind nicht so viel Fernseher schauen und Videospiele schauen soll …..sie wird es nicht hinbekommen.

In der heutigen Zeit haben wir nicht nur sehr viel mehr alleinerziehende, sondern auch sehr viel weniger Mehrgenerationenhaushalte. D.h. die Großeltern sind oftmals weiter weg. Da die Tendenz der letzten 30 Jahre auf antiautoritärer Erziehung ging, und man der Meinung war den freien Willen des Kindes damit zu stärken, indem es so früh wie möglich „mitentscheiden“ bzw sogar entscheiden durfte, sind Probleme entstanden die ich nun erläutern möchte:

Man muss das Gehirn verstehen und die verschieden Entwicklungsstadien. Als ich bei der MAT Maßnahme als Social Coach arbeitete, hatte ich überwiegend mit Menschen zu tun die in Ihrer Reifeentwicklung teils stark verzögert waren. Sie werden sich jetzt fragen woran man erkennt ob ein 20 Jähriger Mensch im Kopf noch 13 ist. Schwieriger wird es fest zu stellen ob ein 10 Jähriger noch bei 6 oder gar 5 ist. Denn die Reife hat nicht zwangsläufig etwas mit der Intelligenz zu tun, auch wenn es korreliert.

Das narzisitische Kleinkind

Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff aus Bonn sieht die Ursache auch in immer stärker gestressten Eltern: „Eltern fühlen sich heute mehr unter Druck“, sagt Winterhoff. Da sie wollten, dass es ihren Kindern besser gehe, bekämen Kinder auch immer mehr. Lernwillig und leistungsbereit mache das die Kinder nicht. „Sie sind zum Beispiel nicht in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen“, sagt Winterhoff. Glückliche Kinder seien das nicht.

Ein Kleinkind nimmt erstmal nur sich und seine Bedürfnisse wahr, und ist bestrebt diese zu erfüllen. Es lebt im „Ich“. Dieses wird durch die Autonomiephase ( bei 3 Jahre,  +/- 6-12 Monate) zunächst verstärkt, durch Konflikte und Feedbacks (insbesondere Konsequenzen) gleicht das Gehirn ständig ab. Das Kind lernt. Die Autonomiephase ist sehr kräftezehrend für Eltern, aber wesentlicher Bestandteil der Erziehung. Hier ist hart bleiben, aber ohne Liebesentzug unabdingbar, wenn auch sehr schwierig- gerade für alleinerziehende wo nachgeben die einzige Option ist um nicht aus zu rasten oder „unter“ zu gehen.

Das Kindergehirn ist kognitiv auch nicht so weit, dass es subtile Konsequenzen errechnen kann. Es kann nur das hier und jetzt abgleichen. Beispiel: Das Kind hat  nicht gefrühstückt und zum Mittagessen keinen Hunger. Sie wissen dass sie den ganzen Nachmittag unterwegs sein werden und das Kind nichts adäquates essen wird können. Sie sagen ihrem Kind dass es lange dauert bis es wieder etwas zu essen gibt. Es wird die nächsten Stunden also nichts geben und es werde dann hungern müssen….Das Ergebnis: das Kind isst trotzdem nicht. Es lebt im Hier und jetzt, und jetzt hat es kein Hunger.

Statt es dann Hunger erleiden zu lassen, damit es Konsequenz erlernt, nehmen die Eltern dann eben etwas zu essen mit. Das Kind lernt etwas ganz anderes…es kann im Hier und jetzt weiter leben. Es lernt nicht Konsequenzen zu eruieren, es verweilt im sog. „Lust-Prinzip“

Die Beispiele lassen sich zahlreich erweitern..in Bezug auf Termine/Zeit, Hausaufgaben, Kleidung, Nahrung, Sport…und später Beziehungen und Arbeit.

Als Social Coach habe ich versucht junge Erwachsene Praktikas zu beschaffen, was mir teilweise gelang…nur….am dritten Tag sind sie schon nicht mehr hingegangen, weil Ihnen die Arbeit „keinen Spaß“ machte und sie keine „Lust“ hatten. Die deutsche Wirtschaft kann über Ihre Lehrlinge ein Klagelied trällern. „Keine Lust“ Hausaufgaben zu machen hatten wir damals auch, genauso wenig morgens auf zu stehen um zur Schule zu gehen…aber wir machten es– so gut wir konnten- eben doch.

Wenn bspw eine alleinerziehende Mutter, Helikopter-Eltern oder „Schneepflug-Eltern“ (räumen jeden Widerstand, Konflikt für ihre Kinder aus dem Weg) die Kinder zu früh in Entscheidungsprozesse einbinden, lernen die Kinder dass sie entscheiden dürfen. Jetzt raten Sie mal wie ein Kind, welches im hier und jetzt lebt und keine Konsequenzen errechnen kann, entscheidet? Nach dem Lustprinzip.

Wie reagiert ein (noch narzisitisches ) Kind wenn es nicht bekommt was es will? Wird rum motzen, beleidigt sein, sich zurück ziehen, wütend werden…….es ist noch nicht adäquat kompromissbereit. Kann es auch nicht. Es kann noch nicht diskutieren, sich in die Lage des anderen rein versetzen. In den meisten Fällen versucht sich das Kind bei Konflikten auch zu verstecken.

Ein Kleinkind ist mit Entscheidungen oftmals überfordert. Kleinkinder werden gefragt was sie denn anziehen möchten, werden gefragt im Restaurant was sie Essen möchten…im Grundschulalter gefragt wohin sie denn gerne in den Urlaub möchten. Es wird stets nach dem eigenen Spaß und Lustprinzip entscheiden.

Wie im Sales im späteren Beruf sollte man Alternativfragen stellen, bspw im Restaurant: Willst du Spaghetti oder Pizza. Zwischen diesen beiden Sachen darf das Kind auswählen. Mehr nicht. Diese begrenzte Alternative  erleichtert es Kindern sich zu entwickeln. Mit „Freiheit“ in Entscheidungsprozessen fördert man keine mündigen Bürger, sondern Denken und handeln nach dem Lustprinzip. Vor solchen Erziehungsfehlern macht auch das Schulsystem nicht halt…so die teilweise eingesetzte neue Rechtschreibe-Strategie…die Kinder dürfen so schreiben wie sie es wollen, mit der Begründung das sie den Spaß am schreiben nicht verlieren. im Nachhinein muss man die eingeschlichenen Fehler wieder korrigieren. Ich habe dafür ein Wort: So ein Schwachsinn. Die Kinder dürfen jetzt noch entscheiden wie sie die Wörter schreiben wollen.

Das Kleinkindgehabe, allen voran Flucht vor Konflikten wird sich dadurch nicht abbauen, sondern konditionieren. Das Resultat sind Menschen die eingeschränkt beziehungsfähig sind, sich schlecht in Gesellschaften (Kollegium) integrieren können und Leistungen nur dann erbringen wenn sie Spaß an der Sache haben oder etwas dafür bekommen.

Das Kind bleibt in der Entwicklungsstufe des narzisitischen Kleinkindes stehen, es ist in der Reife also verzögert. Es verhält sich trotz dass es mittlerweile vielleicht schon 8 oder 9 Jahre ist, in Situationen wo es nicht nach Ihrer Nase geht…wie ein Kleinkind. Wenn ein 20 Jähriger Mensch sich noch so verhält, kann man davon ausgehen dass die Reifeentwicklung verzögert ist.

Wichtig hierbei ist auch das Vorleben…nämlich Vorleben von Konsequenz aber ohne dabei wütend zu werden. Brüllen, schlagen, ignorieren…das wird sich das Kind abgucken, denken Sie daran.

Aus den vier Themen, die hier wie mehrfach geschrieben nur sehr kurz angerissen wurden, ergibt sich die notwendige Erziehung.

Wer mit seiner Situation als Schutzbefohlener überfordert ist und einen Ratschlag benötigt, darf mich gerne kontaktieren. In allen Bereichen gibt es viel mehr zu sagen als hier beschrieben.

Ich bin für Sie da.

Herzlichst Ihr Gregor

 

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