Blutegel

„Der Blutegel hat nachweislich große Erfolge vor allem bei Gefäßerkrankungen und Gelenksbeschwerden„, sagt Claudia Moser von der Internationalen Gesellschaft für Blutegeltherapie. Die Heilkraft des Blutegels ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Das hat auch seinen wissenschaftlichen Namen geprägt: Hirudo medicinalis.

Seit einiger Zeit legt der kleine Wurm einen regelrechten Siegeszug durch die moderne Medizin hin, denn seine medizinische Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Wenn Blutegel beißen, zapfen sie nicht nur Blut ab, sie geben auch Substanzen in die Wunde ab. „Der bekannteste Wirkstoff ist das Hirudin, mit seinen blutverdünnenden Eigenschaften“, sagt Moser. Forscher haben eine Reihe weiterer hochwirksamer Substanzen im Speichel der Blutsauger identifiziert – der Blutegel ist quasi eine lebende Apotheke mit blutverdünnenden, schmerzstillenden und entzündungshemmenden Substanzen.
All seine Geheimnisse hat er allerdings noch nicht preisgegeben: Die volle Heilkraft entsteht erst durch einen ganzen Cocktail an Wirkstoffen, deren exakte Wirkung noch nicht bekannt ist. Bei Krampfadern, Gelenkserkrankungen und sogar bei Migräne werden mit der Blutegeltherapie große Erfolge erzielt, um nur einige Anwendungsmöglichkeiten zu nennen. In ihrer Wirkung lässt die Anwendung der schleimigen Tiere teilweise moderne Medikamente und Salben hinter sich.
Die kleinen Heiler in Wurmgestalt stammen dabei keineswegs aus trüben Teichen, sondern werden extra für medizinische Zwecke gezüchtet. „Ekel ist immer eine Frage des Leidensdrucks“, sagt Moser. „Wem der Blutegel einmal geholfen hat, der wird dieses Tier mit anderen Augen betrachten.“
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/1000-fragen-sind-blutegel-wirklich-kleine-heiler-a-708242.html
Medizinische Bedeutung

Die Blutegeltherapie zählt zu den ältesten Therapieformen der Welt überhaupt. Schon im alten China und in Indien wurden Blutegel vor einigen tausend Jahren mit Erfolg eingesetzt, aber auch in Europa gibt es schon eine längere Tradition der „Ausleitungstherapien“. Zu diesen Ausleitungstherapien gehören neben dem Schröpfen und Cantharidenpflaster auch die Blutegel. Der Blutegel ist ein wechselwarmes Tier welches auf Temperaturunterschiede sensibel reagiert. Wen wundert es, da Entzündungen immer mit lokalen Temperaturerhöhungen einher gehen, dass die Blutegel instinktiv in diese Stellen beißen.

Blutegel werden in der naturheilkundlichen Praxis bei einer Vielzahl von Indikationen eingesetzt, unter anderem bei Varikosis, Hämorrhoiden, Arthrosen, Kopfschmerzen und Dysmenorrhoe. In der Chirurgie verwendet man sie z.B. zur Therapie von Lymphödemen und nach Lappentransplantationen zur Verbesserung der Durchblutung.
Anwendung

Die Blutegel werden mit einem Holzspatel aus ihrem Wasserglas gefischt und in ein kleines Glasgefäß gesetzt. In diesem werden sie direkt an die Stelle des Körpers gebracht, an der die Egel saugen sollen. So wird verhindert, dass die Blutegel wahllos über den Körper des Patienten kriechen und unangenehme Gefühle hinterlassen.

Das Festsaugen des Blutegels spürt der Patient in der Regel nichts, das Festbeißen erzeugt allenfalls einen leichten ziehenden Schmerz. Im allgemeinen dauert die Blutmahlzeit des Egels zwischen 1 bis 3 Stunden.

Die Bißstellen der Egel bluten nach dem Abfallen in etwa noch 8 bis 24 Stunden leicht nach. Der Patient wird mit einer sterilen Wundauflage und einem saugfähigen Verband versorgt, der einige Stunden liegen bleibt. Nach dem Stillstand der Nachblutung sind die Bißstellen mit einem mehr oder weniger großen Hämatom umgeben, was aber allenfalls ein kosmetisches Problem darstellt und nach einigen Tagen komplett verschwunden ist.
Quelle: http://flexikon.doccheck.com/de/Blutegel